Der Mensch unterscheidet sich nach meiner Vorstellung ganz klar vom Tier. Der Spiegel liefert diesmal den Stoff
für einen neuen "Wen juckts?"-Eintrag und schreibt zum Thema:
"
In der Tat haben Forscher eine ganze Reihe neurologischer Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein zusammengetragen.
...
Auf einzigartige Weise hat die Evolution das Gehirn des Menschen geöffnet für kulturelle Prägung.
...
"Der Mensch hat sich weitgehend von der Lenkung durch seine Hormone befreit", sagt auch Lutz Jäncke. Genau das unterscheide ihn fundamental vom Tier.
...
Verblüffend leicht vermag sich das menschliche Denkorgan umzumodeln. "Denken Sie an Knetmasse", sagt Lutz Jäncke. So lässt sich an der Größe einer bestimmten Hirnregion von Taxifahrern ablesen, wie viel Lebenszeit sie damit verbracht haben, durch die Stadt zu kutschieren.
...
Umgekehrt verkümmern nie genutzte Schaltkreise. Wozu noch investieren in Zellen und Synapsen, die Sudoku-Kästchen blitzgeschwind ausfüllen helfen, wenn der Besitzer des Gehirns sein Denkorgan jeden Abend in Bier und die Bedeutungslosigkeit von Comedy-Shows tunkt?
...
Jäncke ist sogar überzeugt davon, dass in genau dieser Veränderlichkeit des Hirns die spezifische evolutionäre Strategie des Homo sapiens bestehe. Anders als andere Tiere gestalte er durch Kulturtechniken selbst seine Lebenswelt. Ebendeshalb habe sich im Laufe der Evolution ein Denkorgan herausgebildet, das sich einstellen kann auf die jeweils aktuelle Situation - ein Gehirn, bereit für lebenslanges Lernen.
...
Und der Mensch? Bisher schlugen alle Versuche fehl, einen Zusammenhang zwischen der Innigkeit der Mutterliebe und dem Östrogen- oder Progesteronpegel vor und bei der Geburt nachzuweisen.
...
Wäre die Fürsorge schon früh angelegt, etwa durch Hormone, müssten Mädchen mehr auf Säuglinge stehen als Knaben. Als Forscher jedoch beide Geschlechter mit einem schreienden Säugling konfrontierten, erwies sich die weibliche Hilfsbereitschaft als genauso groß wie die der Jungs.
...
Denn wenn es stimmt, dass der Mensch im Laufe der Evolution die Fesseln seiner Hormone weitgehend abgeschüttelt hat, wenn letztlich das Steinzeiterbe entlarvt ist als schlichter Abdruck von Stereotypen im Gehirn, könnte der Mensch sich endlich emanzipieren vom Glauben an die Biologie als letztgültiger Chefin seines Schicksals. So wie die Aufklärung ihn vom Wohlwollen eines mächtigen Gottes unabhängig machte.
"
Quelle:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Neu registrieren...

















